Zeitungsartickel 2026

Hohe Spendenbereitschaft: Nudeln, Reis, Öl und Konserven helfen weiter

Markdorfer Ministranten sammeln bei einer besonderen Aktion Lebensmittelspenden ein und unterstützen damit die Arbeit der örtlichen Tafel.

Von Jörg Büsche | 20.04.26 – aktualisiert: 20.04.26, 15:55 Uhr

Die Markdorfer Ministranten freuen sich über den großen Erfolg ihrer Sammelaktion zugunsten der Markdorfer Tafel.Foto: Jörg Büsche

Eben hat ein Mann seinen Wagen auf dem Parkplatz von Edeka-Sulger an der Mangoldstraße abgestellt. Nun strebt er auf den Seiteneingang des Einkaufsmarktes zu. Kurz vor der Glastür spricht ihn der 14-jährige Nils an. „Hallo! Wir sind die Markdorfer Ministranten und wir sammeln hier heute für die Markdorfer Tafel.“ Eigentlich will Nils noch erläutern, mit welcher Art von Lebensmittel den Helfern in der Tafel besonders gedient ist – mit Haltbarem wie zum Beispiel Nudeln, Reis, Konserven, aber auch mit Hygieneartikeln. Doch der Mann winkt ab. „Tut mir leid – ich hab’s sehr eilig.“

Von Markus Rief nimmt Nico Kley, Leiter der Ministranten, Konfitüregläser in Empfang.Foto: Jörg Büsche

Konfitüre kann jeder gebrauchen

Das sei an diesem Samstagvormittag die Ausnahme, erklärt Nico Kley, einer der die Spendenaktion vor dem Lebensmittelmarkt begleitenden Ministranten-Leiter. Die allermeisten Kunden blieben stehen, nähmen sich die Zeit, um zuzuhören. „Und viele halten es für schön, dass wir helfen wollen.“ Das seien auch die, die sich erkundigen, was sie von ihrem Einkauf mitbringen sollen, um es in die großen Kunststoffkisten zu den anderen Spenden zu legen.

Zwei Gläser mit Konfitüre hat Markus Rief hineingetan. „Was fürs Frühstück kann man immer gut gebrauchen“, erklärt er. „Dass die Jungs sich hier für eine gute Sache einbringen, finde ich ganz prima“, freut sich Rief. Und wie gut diese Sache ist, das sei ihm wohlbekannt, habe sich seine Mutter doch auch schon bei der Tafel ehrenamtlich eingebracht.

Der 14-jährige Nils (rechts) erklärt Birgit und Manuel Strasser, warum die Markdorfer Ministranten um Lebensmittelspenden bitten.Foto: Jörg Büsche

Unterstützung ist wertvoll

Manuel Strasser blickt aus einer anderen Perspektive auf die Arbeit der gemeinnützigen Hilfsorganisation. Manuel Strasser ist Bürgermeister in Daisendorf. „Ich weiß, wie sinnvoll die Unterstützung von Hilfsbedürftigen in unseren Gemeinden ist“, sagt der Kommunalpolitiker, der zusammen mit seiner Frau Birgit zum Einkauf nach Markdorf gekommen ist. Und die beiden kündigen den Ministranten an, was aus dem Geschäft mitzubringen.

Markdorfer Tafel

Die von der Zukunftswerkstatt getragene Tafel hat laut der Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Statistik rund 280 Kunden, an die ein zum Einkauf berechtigter Tafelausweis ausgegeben worden ist. Zum Kreis der Kunden gehören Einzelpersonen, aber auch Familien. Sodass sich die Zahl der Lebensmittelempfänger auf etwa 750 Menschen erhöht. Die Tafel hat 80 Mitarbeiter. Die Mehrheit der Tafelkunden wohnt in Markdorf. Es folgen Salem, Bermatingen und Immenstaad. Nach Nationalitäten aufgelistet, stellen die Ukrainer die größte Empfängergruppe dar, gefolgt von Deutschen, Türken und Syrern. Der die Tafel tragende Verein „Zukunftswerkstatt“, informiert regelmäßig, wie viel Essbares in den Müll kommt. Den Löwenanteil davon tragen zwar die privaten Haushalte, 6,3 Millionen Tonnen im Jahr; in der Produktion, bei der Verarbeitung und im Handel wandern weitere 2,6 Millionen Tonnen auf den Müll. Und auch hier setzt die Tafel an – im Kampf gegen die Ressourcen verbrauchende Lebensmittelverschwendung. Weitere Informationen zur Arbeit der Tafel unter: https://tafel.ekima.de

Nico Schulz trägt schon einmal einen vollen Korb mit haltbaren Lebensmitteln zum Kleintransporter, der die Spenden zur Tafel fahren wird.Foto: Jörg Büsche

Begeistert vom Tun der Ministranten

Eine Antwort kommt immer wieder von den zum Tun der Ministranten befragten Kunden: die Begeisterung über das Engagement von Jugendlichen. „Ich finde es toll, dass die jungen Menschen ihre Augen nicht verschließen vor unseren sozialen Problemen – und auch noch etwas dagegen unternehmen“, erklärt Nina Eisenmann. Dieser Ansicht ist auch Johannes Balsliemke. Ihm gefällt gleichfalls, „wenn sich junge Leute für soziale Belange einbringen“.

Er erklärt’s und beugt sich dann über eine der Spendenkisten, die vor dem Haupteingang des Einkaufsmarktes stehen. H-Milch, Nudeln, Reis, Zucker, Öl. Damit er weiß, was er mitbringen soll, lächelt er den Ministranten zu. Die haben übrigens auch eine Sparbüchse aufgestellt. Für jene, die lieber Geld geben möchten. Die Mehrheit der Kunden spendet jedoch lieber Waren. Und manch einer zeigt sich sogar recht froh, dass ihm die Ministranten durch ihre Aktion den Weg zum Tafelladen im Stadtgraben abnehmen.

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Franzi, Tia und Antonia haben nicht nur fleißig Lebensmittelspenden gesammelt, wie die anderen Ministranten auch, sondern helfen noch beim Einsortieren im Tafelladen.Foto: Jörg Büsche

Große Spendenbereitschaft in der Stadt

Ferdinand, 12, und Gabriel, 13, zeigen sich sehr zufrieden mit dem, was sie an gespendeten Lebensmitteln entgegennehmen durften. „Ja, ein wenig habe ich schon damit gerechnet, dass es wieder so viel wird“, erklärt Ferdinand. Er sei schon im vergangenen Jahr bei der Sammelaktion dabei gewesen. Und da habe eine ähnlich große Spendenbereitschaft geherrscht.

Noch zufriedener zeigt sich am Mittag Günther Wieth, der Leiter der Tafel. „Für uns ist das eine ungeheure Hilfe – vor allem bei den haltbaren Lebensmitteln, die wir ja nicht von den Geschäften erhalten.“ Die räumen nur aus ihren Regalen, was das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht hat. Und „in Zeiten, in denen die Ellenbogenmentalität bei uns immer weiter zunimmt“, freut sich Wieth über den Einsatz der Jugendlichen für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ganz besonders.

An Fronleichnam wird die Tradition aufrechterhalten

Mit Blumenschmuck und einer festlichen Prozession durch die Innenstadt wird an die Kraft der Heiligen Kommunion erinnert. Dafür sind viele Helfer im Einsatz.

Von Jörg Büsche | 04.06.26 – aktualisiert: 04.06.26, 16:07 Uhr

An Fronleichnam wird die Monstranz mit dem Allerheiligsten durch die Straßen getragen – hier von Pfarrer Ulrich Hund.Foto: Jörg Büsche

Die Sonne scheint. Der Pfarrer strahlt. Aus einem Fenster im Obergeschoss des Pfarrhauses begrüßt Ulrich Hund die Frauen und Kinder, die die Treppen zur St.-Nikolaus-Kirche mit Blumen schmücken. Stufe um Stufe liegen jeweils am Ende des Auftritts lange Blütenreihen – rosa, lila, weiß, tiefrot – an den Enden eingerahmt von grünem Farnkraut. Doch immer noch ist einiges zu tun. „Schade, dass wir nur so wenig blaue Blumen haben“, bedauert Ulrike Freyas. Sie gehört zu den fleißigen Helferinnen beim Auslegen des Blumenteppichs, der auch in Markdorf zu den festen Traditionen an Fronleichnam gehört. Mit mehr Blau wären die Stufen zum Pfarrhaus tatsächlich in den Farben des Regenbogens geschmückt. Stattdessen müssen lila Blüten das fehlende Blau ersetzen.

Mehmet Sahinauci hilft Richard Gratwohl gern beim Dekorieren des Blumenteppichs auf der Marktstraße.Foto: Jörg Büsche

Nur der Pfarrer schreitet über den Blütenteppich

Ja, die Wetter-Apps hätten gutes Wetter verheißen, freut sich Pfarrer Hund. Zumindest am Vormittag solle es halten, habe man ihm zugetragen. Die Fronleichnamsprozession könne also wie geplant durch die Marktstraße gehen. Mit den Frauen und Männern der Markdorfer Trachtengruppe voran – gleich hinter den Kerzen und Kreuz tragenden Ministranten. Hinter den Trachten spielen die Musiker der Stadtkapelle.

Ihnen folgen weitere Ministranten sowie einige Kinder, die vor einigen Wochen ihre Erstkommunion gefeiert haben. Dann kommt der von vier Männern an langen Stangen getragene und aufwendig bestickte Baldachin, der Himmel. Unter dem hält Pfarrer Hund die Monstranz mit einer geweihten Hostie darin hoch. Und allein der Pfarrer wird über den bunten Blütenteppich schreiten. Alle anderen Prozessionsteilnehmer gehen links und rechts davon.

Am Mittwoch vor Fronleichnam werden die Blüten sortiert. Auch Martina Brutsch (links) hilft dabei mit.Foto: Jörg Büsche

Spazierstock oder Bischofsstab

So werden die aus Blumen geformten Symbol-Bilder nicht zerstört. Die Anker, die Herzen, Kreuze, die Fische, die aus Blumen und Kerzen, die schon auf dem Pflaster liegen. Am frühen Morgen hat das Legen begonnen, das bereits seit etlichen Jahren Richard Gratwohl mit gutem Auge, viel gestalterischem Geschick, guten Ratschlägen und offenbar auch kritischem Blick begleitet. „Was soll das sein?“, fragt er eine Frau, die gerade aus weißen Blüten eine am Ende gekrümmte Linie gelegt hat. Die Antwort „Bischofsstab“ genügt ihm nicht. Gratwohl rät, den Stab noch etwas zu verlängern. Damit er an ein christliches Symbol und nicht an einen Spazierstock erinnert.

Fronleichnam

Das Wort kommt ursprünglich aus dem Mittelalter gesprochenen Deutsch und bedeutet so viel wie „Leib des Herrn“. Hervorgegangen ist das Fest aus einer stark ausgeprägten Verehrung der Altarsakramente und dem Bedürfnis, sie gesondert zu feiern. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts wird das Allerheiligste in Monstranzen, prächtig ausgestalteten Schaugefäßen, durch die Gemeinden getragen. Diesen Prozessionen schlossen sich, begleitet von Musik, die Stände in ihren typischen Trachten, aber auch Zünfte und Bruderschaften an. In Markdorf knüpft die Beteiligung der Trachten, der Stadtkapelle und des Kirchenchors, aber auch der Kommunionkinder an diese Tradition an.

Neben Brauchtum auch Religion

„Vor allem Brauchtum“, erklärt Susanne Schwaderer vom Organisationsteam, zu dem noch Martina Koners-Kannegießer, Ursula Koners und Richard Gratwohl gehören. Bereits am Mittwochnachmittag haben sie sich gemeinsam mit anderthalb Dutzend Frauen und Männern vor dem Pfarrhaus eingefunden, um das „Material“ für den Blumenteppich auf der Marktstraße zu sortieren. Sie befüllen Eimer, Kartons und andere Behältnisse mit Blüten oder Blättern gleicher Farbe. „Unser Grün bringt uns der Hundesportverein“, sagt Susanne Schwaderer, „das ist der Rasenschnitt von dort.“

Susanne Schwaderer beteiligt sich bei den Fronleichnams-Vorbereitungen, weil sie am Brauch festhalten, außerdem aber auch ein Zeichen setzen möchte.Foto: Jörg Büsche

Die Blumen stammen teils aus den Gärten der Helfer, teils aus einem Gärtnereibetrieb. „Einiges kommt auch jedes Jahr vom Edeka-Markt“ – und das braune Pulver dort hinten spendiere die Eisdiele: Kaffeesatz, der die bunten Blüten umso besser zur Geltung bringt. Und darum gehe es schließlich auch, so Schwaderer. „An Fronleichnam wird ein deutliches Zeichen gesetzt, der Glauben nach außen getragen – gezeigt, dass man zu seinem Glauben steht.“

Interreligiöse Zusammenarbeit im Dienste der Schönheit

Mehmet Sahinauci ist weder Katholik noch Christ, sondern Muslim. Der Blumenteppich gefällt ihm trotzdem. „Deshalb helfe ich hier heute Morgen auch mit.“ Weil die Blumenbilder einfach schön sind. „Schade, dass es das bei uns in der evangelischen Kirche nicht gibt“, findet Joris. Er hat seine Mutter, Franziska Haller, zum Blumenteppich-Auslegen begleitet, die gleichfalls evangelisch ist, die aber gern dazu beitragen möchte, dass die Markdorfer Fronleichnamstradition aufrechterhalten wird.

Ministranten, Trachten, Stadtkapellenmusiker, Kommunionkinder und die Gemeinde begleiten den Baldachin mit dem Allerheiligsten.Foto: Jörg Büsche

Den Leib Christi durch die Straße tragen

Ebenso wenig wie in die komplizierten Argumentationen mittelalterlicher Theologie wolle er an die Überlegungen antiker Philosophie anknüpfen, erklärte Pfarrer Hund während der Eucharistiefeier. „Warum wir heute den Leib Christi durch die Straßen tragen?“ Das Allerheiligste stärke, es gebe Mut und neue Kraft.

Lagerspaß im Schwarzwald

25.08.2026


Die Markdorfer Ministranten genießen das diesjährige Mini-Lager in Wolfach im Schwarzwald. Das Leitungsteam und die 35 Teilnehmer starteten vergangene Woche mit den letzten Vorbereitungen, dem Gepäck-Check-in und einem Aussendungsgottesdienst in der St.-Niko-laus-Kirche, wie die Ministranten in einem Pressetext schreiben. Nach einer zweistündigen Fahrt erreichten sie schließlich das Ziel und bezogen das traditionelle Schwarzwaldhaus. Auf dem Programm für die Tage stehen spannende Abendprogramme, action-reiche Geländespiele, Stationsspiele und natürlich eine ganze Menge Spaß.
Die Minis möchten sich bei all ihren Unterstützern bedanken, die das Lager ermöglichen. FOTO: FELIX WIEDERMANN QUELLE:SÜDKURIER